Der Fotograf F.C. Gundlach

Franz Christian Gundlach, besser bekannt als F.C. Gundlach, (* 16. Juli 1926 in Heinebach, † 23. Juli 2021 in Hamburg) war ein deutscher Fotograf, Galerist, Sammler, Hochschullehrer, Kurator und Stifter. Im September 2003 wurde er zum Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg berufen.

Seine Modefotografien der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre, die sich immer wieder mit gesellschaftlichen Phänomenen und aktuellen Strömungen in der Bildenden Kunst auseinandersetzten, sind vielfach zu Ikonen geworden, haben ihren Entstehungskontext hinter sich gelassen und ihren Weg in Museen und Sammlungen gefunden.

Von 1946 bis 1949 besuchte F.C. Gundlach die Private Lehranstalt für Moderne Lichtbildkunst bei Rolf W. Nehrdich in Kassel. Als freiberuflicher Fotograf veröffentlichte er seit 1949 vor allem Theater- und Filmreportagen in Magazinen wie der Deutschen Illustrierten, in SternQuick und Revue.

Seine Spezialisierung auf Modefotografie im journalistischen Stil begann 1953 mit der Arbeit für die in Hamburg erscheinende Zeitschrift Film und Frau, für die er vor allem die Mode Berliner Modeschöpfer, die Pariser Haute Couture und Portraits von Persönlichkeiten wie Romy Schneider, Hildegard Knef, Dieter Borsche oder Jean-Luc Godard fotografierte.

"Als Modephotograph, der sich des aufzeichnenden Mediums für seine Inszenierungen bedient, muss der Photograph ganz in seiner Zeit leben, denken und fühlen. Modephotographien sind immer Interpretationen und Inszenierungen. Sie reflektieren und visualisieren den Zeitgeist der Gegenwart und antizipieren denjenigen von morgen. Sie bieten Projektionsflächen zur Identifikation an, aber auch für Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Und doch sagen Modephotographien oft mehr über eine Zeit aus, als Dokumentarphotographien, die vorgeben, Realität abgebildet zu haben." (F.C. Gundlach in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung F.C. Gundlach. Das fotografische Werk im Martin-Gropius-Bau Berlin 2009)

Für Film und Frau, aber auch für den Stern, für AnnabelleTwen und andere Zeitschriften unternahm F.C. Gundlach in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren Mode- und Reportagereisen in den Nahen, Mittleren und Fernen Osten sowie nach Mittel- und Südamerika. Insbesondere New York war für F.C. Gundlach von diesem Zeitpunkt an ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt seines fotografischen Schaffens. Im Rahmen eines Exklusiv-Vertrags mit der Zeitschrift Brigitte fotografierte er anschließend bis 1989 viele der Trend setzenden Modeteile, insgesamt mehr als 160 Titelcover und über 5.000 Seiten im redaktionellen Modeteil.

Bis ins hohe Alter war F.C. Gundlach aktiv: als Produzent renommierter nationaler und internationaler Ausstellungsprojekte, Förderer junger Fotografietalente, Bewahrer außerordentlicher fotografischer Nachlässe sowie Berater und Visionär im Sinne des Mediums Fotografie.

Seine retrospektiv angelegten Einzelausstellungen, wie beispielsweise ModeWelten (1985), Die Pose als Körpersprache (1999), Bilder machen Mode (2004) oder F.C. Gundlach. Das fotografische Werk (2008) wurden in vielen Museen und Galerien im In- und Ausland gezeigt.

"Er ist ein Fotograf, dessen Bilder das Wissen um die dominierende Rolle der Mode als kultureller Gesellschaftsfaktor bestimmt. Deshalb hat er die Erscheinungen der Mode auch nur selten isoliert dargestellt, sie vielmehr mit der Phänomenologie der Alltagswirklichkeit verknüpft und in den soziokulturellen Zusammenhang gestellt, dem sie letztendlich entstammt. F.C. Gundlach erweist sich als fotografischer Künstler mit Stilwillen, als Meister der Inszenierung, der souverän über die Fläche des fotografischen Bildes verfügt und seine Gegenstände in immer neuen formalen Konstellationen organisiert: als Fotograf von außergewöhnlicher ästhetischer Qualität." (Klaus Honnef in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung ModeWelten im Rheinischen Landesmuseum Bonn 1986)

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