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More Than Bauhaus

Fotografie der Weimarer Republik in Deutschland 1918-1933 und Fotografie der polnischen Zwischenkriegszeit 1918-1939

International Cultural Centre Krakau
08.05. - 01.08.2021

Fotografie ist spätestens seit den 1920er Jahren und bis zum heutigen Tag das zentrale Medium unserer visuell geprägten Gesellschaft. Sie bildet alle Aspekte unseres Lebens ab – vom Privaten bis zum Öffentlichen und vom Politischen bis zum Kulturellen – und vermittelt uns unser Bild von der Welt. 

Mit den revolutionären Erfindungen in der Kameratechnik und in den Druckmöglichkeiten der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage waren die 1920er die erste Epoche, die in all diesen Bereichen abgelichtet und – ganz wichtig – auch publiziert wurde. Historisch betrachtet ist die Fotografie der 1920er und 1930er Jahre eine wesentliche Quelle für historische Informationen und für das Verständnis von Geschichte und Gegenwart. 

Orientiert an Aby Warburgs Theorie des Bilder-Atlas stellen wir für beide Länder typische Motive in acht Kapiteln und einem Epilog vor. Jedes Kapitel repräsentiert einen Bereich des politischen, sozialen oder kulturellen Lebens, zusammen ergibt sich ein Bild dieser faszinierenden Epoche in all ihren Brüchen und Widersprüchen. Wir sehen einen entscheidenden Moment für die Geschichte des 20. Jahrhunderts, der zwischen den Goldenen Zwanzigern mit neuen Freiheiten, Tanz und technischen Revolutionen auf der einen Seite und Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit auf der anderen Seite oszilliert. Angriffe von politisch linken und vor allem rechten Strömungen brachten das System immer wieder ins Wanken und führten schließlich in die Katastrophe des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

In der Gegenüberstellung werden Parallelen und Unterschiede zwischen den Entwicklungen in Polen und Deutschland deutlich. Vor allem aber sehen wir im historischen Rückblick eine Welt, die überraschende Ähnlichkeiten zu unserer heutigen Situation in sich trägt. Sogar der grundlegende Wandel der medialen Verbreitung von Fotografie damals spiegelt sich im Wechsel vom gedruckten zum digitalen Bild heute, mit allen Folgen.

In der Ausstellung vertreten sind viele der großen Fotografen der Zeit, die als Avantgardisten unterschiedliche Felder der Fotografie neu definierten, von der Reportagefotografie über die angewandte Fotografie in Mode und Porträt bis zu künstlerischen Strategien. Bis heute prägen ihre Errungenschaften die Bildästhetik. Neue Sachlichkeit und Neues Sehen, bauhaus und Surrealismus brachten eine ganz neue und vor allem eigenständige Bildsprache des Mediums Fotografie hervor, die auch heute noch modern wirkt.

Themen und ästhetische Ausdrucksformen der Zeit lassen sich assoziativ auf unsere heutige Lebenssituation übertragen lassen. Denn die Frage, wie Medien unsere Weltsicht prägen und dadurch (mit-)bestimmen wie wir denken und fühlen und letztendlich wie wir handeln, ist im digitalen Medienzeitalter aktueller denn je. In unserer globalisierten, vielschichtigen Welt mit ihrer Flut von Daten und ihrer Vielfalt von Informationsquellen ist die Frage heute: Wie informieren wir uns am besten? Aber auch: wodurch werden wir in besonderer Weise manipuliert? Welche Rolle spielt die Fotografie in sozialen Medien von Twitter bis Instagram? Der einflussreiche Bauhauslehrer László Moholy-Nagy prophezeite schon 1927, dass der „fotografieunkundige der analphabet der zukunft“ sei und für die Smithsonian Institution ist die Antwort auch im 21. Jahrhundert klar: „Photography changes everything“ lautet der Titel eines 2012 publizierten Bandes.

Die Präsentation in Krakau stellt eine reduzierte Version der Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik“, die von September 2019 bis März 2020 im LVR LandesMuseum in Bonn zu sehen war, dar. In der Reihe „Aus den Archiven“ ist es bereits die vierte Ausstellung basierend auf den umfangreichen fotografischen Sammlungen der drei Kooperationspartner, hier ergänzt durch Leihgaben von SZ Photo und ullstein bild collection.

Eine Ausstellung ist des ICC Krakau mit dem LVR LandesMuseum Bonn, der Deutschen Fotothek Dresden und der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg.

Wir danken allen Beteiligten und insbesondere den polnischen Partnern für die gute Zusammenarbeit und die erfolgreiche Realisierung der Ausstellung unter den durchaus widrigen Umständen. Auch unter den schwierigen derzeitigen Bedingungen ist es gelungen, die tolle Auswahl von Motiven dieser Zeit aus den Nachbarländern Polen und Deutschland an die Wand zu bringen und sie der Öffentlichkeit zu präsentieren! 

International Cultural Centre Krakau
Rynek Główny 25
31-008 Kraków

Öffnungeszeiten
Dienstag bis Sonntag, 11:00 Uhr – 19:00 Uhr
letzter Einlass um 18:30 Uhr

CORONA!
BITTE ACHTEN SIE AUF DIE AKTUELLEN ÖFFNUNGSZEITEN UND BESUCHSREGELN!