Objekt des Monats: Degradierte Diahüllen
Unser Objekt des Monats sind Hüllen aus transparentem Kunststoff, wie sie über Jahrzehnte zur Aufbewahrung von Dias genutzt wurden. Doch was einst als einfache Lösung gedacht war, offenbart sich heute als ein konservatorisches Problem: Die Klebebänder auf den Hüllen, vermutlich in den 1970er oder 80er Jahren aufgebracht, sind brüchig geworden, ihre ursprünglich durchsichtige Haftschicht ist vergilbt, rissig und verläuft teils wellenförmig über die Oberfläche. Begleitet wird dieser Zerfall von milchigen Flecken und Schlieren – eine sichtbare Spur chemischer Prozesse, die das Material über Jahrzehnte verändert haben.
Tatsächlich handelt es sich um typische Alterungserscheinungen von nicht archivfestem Kunststoff: Oxidation, Weichmacherverlust und die Bildung saurer Zersetzungsprodukte wie Essigsäure greifen nicht nur das Material selbst an, sondern können auf lange Sicht auch angrenzende Archivalien schädigen. In der Chemie nennt man dieses Phänomen Degradation. Die Diahüllen beginnen sich zu wellen, zu verziehen – manche lassen sich kaum mehr gefahrlos öffnen, ohne den Inhalt zu gefährden.
Die Hüllen erzählen ihre eigene Geschichte – von pragmatischen Entscheidungen, von materialtechnischem Wandel – und von der Verantwortung, die heute im Umgang mit diesen Spuren liegt. In einem laufenden Projekt werden die betroffenen Hüllen derzeit nach und nach aus dem Bestand aussortiert, die Inhalte umgelagert und in archivfester Polyesterfolie gesichert. Ein mühsamer, aber notwendiger Schritt, um das empfindliche Fotomaterial zu bewahren.