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Auf den ersten Blick erinnert unser Objekt des Monats eher an eine Zeichnung als an eine Fotografie. Tatsächlich handelt es sich um einen Silbergelatineabzug auf Barytpapier, der nach der fotografischen Entwicklung manuell überarbeitet wurde. Sichtbar aufliegende Retuschefarbe betont einzelne Konturen, glättet Flächen und verändert die Tonwertabstufungen. Der Abzug dokumentiert damit einen Arbeitsschritt, der im analogen Produktionsprozess der Modefotografie meist verborgen blieb.
Die Bearbeitung spricht dafür, dass der Abzug als Reproduktionsvorlage für den Druck diente. Vor der Digitalisierung wurden Fotografien in der Druckvorstufe häufig von Hand retuschiert, um die spätere Reproduktion zu erleichtern und eine präzisere Umsetzung der fotografischen Vorlage im Zeitschriften- oder Werbedruck zu ermöglichen. Die Rückseite des aufkaschierten Abzugs liefert weitere Hinweise auf den Entstehungskontext. Die abgebildete Mode stammt von der norwegischen Modefirma „Hagbarth Schjøtt A/S“, der Stoff aus dem norddeutschen Textilunternehmen NINO.

Als Archivobjekt eröffnet der retuschierte Abzug einen Blick hinter die Kulissen der Modefotografie. Er zeigt nicht das fertige Bild, sondern einen Zwischenzustand im Entstehungsprozess – ein Arbeitsmittel, an dem sich die materiellen Spuren der analogen Bildbearbeitung bis heute erhalten haben. Damit dokumentiert das Objekt eindrucksvoll, dass die Bildgestaltung in der analogen Fotografie weit über den Moment der Aufnahme hinausreichte und erst in der Zusammenarbeit von Fotografie, Retusche und Reproduktion ihre endgültige Form erhielt.
