Fotoarchive bewahren: Die Archive in der Stiftung F.C. Gundlach

"Lasst die Bildarchive doch nicht sterben!" schrieb Kurt Zentner in seinem Aufruf zur Erhaltung fotografischer Archive in der Stuttgarter Zeitung im Mai 1956. Doch ebenso wie eine Reihe weiterer begrüßenswerter Initiativen seither verhallte sein Appell ungehört.

Heute ist die Fotografie in einem weitreichenden und folgenschweren Medienwandel begriffen. Das klassische Archiv, in dem Negative, Diapositive und fotografische Abzüge auf Abruf bereitstehen, hat seine Funktion verloren. Festplatten und Datenbanken sind an seine Stelle getreten, das Pixel hat das Korn ersetzt. In dieser Situation gehören die Sicherung und Aktivierung von fotografischen Archiven und Nachlässen zu den aktuell wichtigsten Aufgaben in der Welt der Fotografie. Dieser Einsicht folgend, betreut und aktiviert die Stiftung F.C. Gundlach neben dem Œuvre ihres Stifters außerdem die Werke von weiteren bedeutenden deutschen Fotografen und Fotografinnen.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Wilfried Bauer

Wilfried Bauer sah, wie keiner sah. Bis zu seinem Tod schuf der Hamburger Fotograf ein Œuvre von großer Qualität und Vielfalt.

ARCHIVE DER STIFTUNG

F.C. Gundlach

Die Bilder von F.C. Gundlach sind in ihrer zeitlosen Ästhetik zu Ikonen der Modefotografie geworden.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Andreas Herzau

Andreas Herzau hat von 1990 bis 2023 die Welt als aufmerksamer Beobachter fotografisch untersucht und sie als Interpret von Gegenwartsphänomenen in eigenen, ästhetisch gestalteten Fotografien thematisiert.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Peter Keetman

Das Werk von Peter Keetman nimmt einen zentralen Platz in der fotografischen Nachkriegsmoderne Deutschlands ein und ist geprägt von seinem subjektiven Blick und dem Willen zur grafischen Gestaltung.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Michael Lange

Michael Lange fotografierte zunächst Reportagen für Magazine, Porträts und Werbeaufnahmen im Auftrag von Kunden, bevor er sich zum Meister der existentialistischen Landschaftsfotografie wandelte.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Hans Meyer-Veden

Hans Meyer-Veden hat vor allem Hamburg, den Hafen, die Elbe und das Umland im Wandel festgehalten und damit selbst ein Kapitel Stadtgeschichte geschrieben. Von seinen Reisen in alle Welt zeugen einfühlsame Reportageaufnahmen.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Dirk Reinartz

Als Gewinner des Fotopreises "Jugend fotografiert Forschung" wurde Dirk Reinartz sofort von Henri Nannen für den stern angestellt – der Anfang einer großen Karriere in der Reportagefotografie.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Toni Schneiders

Toni Schneiders hat mit hohem bildgestalterischen Anspruch grafische Naturstudien und empathische Menschenbilder geschaffen und wesentlich zur Erneuerung der Fotografie nach 1945 beigetragen.

ARCHIVE DER STIFTUNG

Henrik Spohler

Henrik Spohler thematisiert in seinen Fotoserien seit Beginn des
Millenniums die Folgen der modernen wirtschaftlichen Globalisierung.

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Werner Stuhler

Das Schaffen von Werner Stuhler zeichnet sich auf der einen Seite durch seine umfassende Dokumentation von Land und Leuten vor allem in Mitteleuropa aus, zum anderen durch seine fotoexperimentelle Formensprache im Austausch mit Künstlern der Nachkriegsavantgarde.

Grüne Bohnenschoten auf einem lila Tuch
ARCHIVE DER STIFTUNG

Reinhart Wolf

Reinhart Wolf war prägend für die Werbe-, Design- und Food-Fotografie von den sechziger bis achtziger Jahren.

Archivcluster

Die Offenheit der Formulierung "Förderung der Fotografie als Kulturgut" war F.C. Gundlach bei der Festlegung der Zwecke für seine Stiftung besonders wichtig, da er sich wünschte, dass sein vielfältiger fotografischer Nachlass in allen Teilen "als lebendiger Organismus erhalten bleibt, und auf gesellschaftliche Veränderungen, Trends und Eventualitäten reagieren kann". In diesem Sinne hatte F.C. Gundlach selbst, als Reaktion auf die drängende Frage nach dem Umgang mit analogen Bildarchiven, bereits Anfang der 2000er Jahre mit der Sicherung fotografischer Lebenswerke begonnen.

Ausgehend von der Arbeit mit dem fotografischen Lebenswerk von F.C. Gundlach, dem in der Stiftungssatzung festgelegten Zweck der Förderung des Mediums Fotografie als Kulturgut sowie F.C. Gundlachs eigenem Umgang mit fotografischen Archiven als Wegweiser für die Ausrichtung der Stiftungsaktivitäten, hat die Stiftung F.C. Gundlach inzwischen weitere Lebenswerke in ihren Bestand übernommen und vier Archivcluster gebildet:

Von fotoform und Subjektiver Fotografie

In diesem Cluster dreht sich alles um den Neuanfang in der gestalteten Fotografie nach dem Zweiten Weltkrieg unter Bezugnahme auf das Neue Sehen und die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie vorhandene Archive in diesem Cluster sind: Peter Keetman, Toni Schneiders und Werner Stuhler.

Von Mode und Werbung zur künstlerischen Fotografie

Mit der Wertschätzung im Auftrag entstandener Fotografie wurde die Membran zwischen angewandter Fotografie und Kunst seit Mitte der 1970er Jahre durchlässiger. Herausragende Fotografinnen und Fotografen entwickelten im Rahmen ihrer Aufträge kreative Lösungen, die sie dann in freien Projekten souverän umsetzten. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie vorhandene Archive in diesem Cluster sind: F.C. Gundlach, Walter Schels, Hans Meyer-Veden und Reinhart Wolf.

Von Reportage und Journalismus zur konzeptuellen Fotoserie

Viele Bildjournalisten und Reportagefotografen wandten sich parallel zu ihrem Schaffen für Magazine schließlich freien, oft umfangreichen Werkserien zu. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie vorhandene Archive in diesem Cluster sind: Wilfried Bauer, Dirk Reinartz, Michael Lange, Andreas Herzau und Henrik Spohler.

Von Fotografie als Kunst und Kunst mit Fotografie

Verstärkt seit den 1970er Jahren haben Kunstschaffende die Fotografie von vornherein ausschließlich als Medium der Kunst eingesetzt. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach vorhandene Archive in diesem Cluster sind: Renée Pötzscher und Sabine von Breunig.

Annahme weiterer Archive

In diesen Clustern würde die Stiftung F.C. Gundlach gern weitere Archive annehmen, wenn der Platz es erlaubt. Sie wird in Zukunft außerdem herausragende Einzelwerke in kleinerer Stückzahl annehmen, die für die in der Satzung ebenso festgeschriebene Fortsetzung der Sammlung F.C. Gundlach passen.

Das Archiv der Fotografen

Gemeinsam mit der Deutschen Fotothek hat die Stiftung F.C. Gundlach darüber hinaus das "Archiv der Fotografen" konzipiert, welches im September 2012 seine Tätigkeit aufgenommen hat und als Ansprechpartner, analoges Archiv und digitales Schaufenster Verantwortung für unser kulturelles Erbe in Form fotografischer Werke und Nachlässe übernimmt. Die Stiftung F.C. Gundlach ist somit auch immer wieder Ansprechpartner für Fotografinnen und Fotografen, die ihre Archive dann nach Dresden geben. Die Kooperation mit der Deutschen Fotothek ist für die Stiftung F.C. Gundlach aber auch deshalb so wertvoll, weil gemeinsam mit der Deutschen Fotothek immer wieder Ausstellungen und Buchpublikationen aus den Archiven realisiert werden können.

Das fotografische Erbe (in) der Medienstadt Hamburg

Die Stiftung F.C. Gundlach wird ihren Einsatz für die Fotografie als Kulturgut effektiv fortführen, auch im Rahmen der Aktivitäten des Deutschen Fotorats. Wünschenswert wäre eine noch sicherere Finanzierung, die der Stiftung größere Depotflächen, etwas mehr Personal und einen kleinen Showroom erlauben würde – vielleicht in der Hamburger Speicherstadt, langfristig und kostenfrei? Grundsätzlich hält die Stiftung es geradezu für notwendig, dass ein Ort entsteht, der sich um das reichhaltige fotografische Erbe der Medienstadt Hamburg kümmert. Perspektivisch könnte das der lokale Hamburger Beitrag zu einem dezentralen Deutschen Fotoinstitut sein.