Fotoarchive bewahren: Die Archive in der Stiftung F.C. Gundlach
"Lasst die Bildarchive doch nicht sterben!" schrieb Kurt Zentner in seinem Aufruf zur Erhaltung fotografischer Archive in der Stuttgarter Zeitung im Mai 1956. Doch ebenso wie eine Reihe weiterer begrüßenswerter Initiativen seither verhallte sein Appell ungehört.
Heute ist die Fotografie in einem weitreichenden und folgenschweren Medienwandel begriffen. Das klassische Archiv, in dem Negative, Diapositive und fotografische Abzüge auf Abruf bereitstehen, hat seine Funktion verloren. Festplatten und Datenbanken sind an seine Stelle getreten, das Pixel hat das Korn ersetzt. In dieser Situation gehören die Sicherung und Aktivierung von fotografischen Archiven und Nachlässen zu den aktuell wichtigsten Aufgaben in der Welt der Fotografie. Dieser Einsicht folgend, betreut und aktiviert die Stiftung F.C. Gundlach neben dem Œuvre ihres Stifters außerdem die Werke von weiteren bedeutenden deutschen Fotografen und Fotografinnen.
Archivcluster
Die Offenheit der Formulierung "Förderung der Fotografie als Kulturgut" war F.C. Gundlach bei der Festlegung der Zwecke für seine Stiftung besonders wichtig, da er sich wünschte, dass sein vielfältiger fotografischer Nachlass in allen Teilen "als lebendiger Organismus erhalten bleibt, und auf gesellschaftliche Veränderungen, Trends und Eventualitäten reagieren kann". In diesem Sinne hatte F.C. Gundlach selbst, als Reaktion auf die drängende Frage nach dem Umgang mit analogen Bildarchiven, bereits Anfang der 2000er Jahre mit der Sicherung fotografischer Lebenswerke begonnen.
Ausgehend von der Arbeit mit dem fotografischen Lebenswerk von F.C. Gundlach, dem in der Stiftungssatzung festgelegten Zweck der Förderung des Mediums Fotografie als Kulturgut sowie F.C. Gundlachs eigenem Umgang mit fotografischen Archiven als Wegweiser für die Ausrichtung der Stiftungsaktivitäten, hat die Stiftung F.C. Gundlach inzwischen weitere Lebenswerke in ihren Bestand übernommen und vier Archivcluster gebildet:
Von fotoform und Subjektiver Fotografie
In diesem Cluster dreht sich alles um den Neuanfang in der gestalteten Fotografie nach dem Zweiten Weltkrieg unter Bezugnahme auf das Neue Sehen und die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie vorhandene Archive in diesem Cluster sind: Peter Keetman, Toni Schneiders und Werner Stuhler.
Von Mode und Werbung zur künstlerischen Fotografie
Mit der Wertschätzung im Auftrag entstandener Fotografie wurde die Membran zwischen angewandter Fotografie und Kunst seit Mitte der 1970er Jahre durchlässiger. Herausragende Fotografinnen und Fotografen entwickelten im Rahmen ihrer Aufträge kreative Lösungen, die sie dann in freien Projekten souverän umsetzten. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie vorhandene Archive in diesem Cluster sind: F.C. Gundlach, Walter Schels, Hans Meyer-Veden und Reinhart Wolf.
Von Reportage und Journalismus zur konzeptuellen Fotoserie
Viele Bildjournalisten und Reportagefotografen wandten sich parallel zu ihrem Schaffen für Magazine schließlich freien, oft umfangreichen Werkserien zu. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie vorhandene Archive in diesem Cluster sind: Wilfried Bauer, Dirk Reinartz, Michael Lange, Andreas Herzau und Henrik Spohler.
Von Fotografie als Kunst und Kunst mit Fotografie
Verstärkt seit den 1970er Jahren haben Kunstschaffende die Fotografie von vornherein ausschließlich als Medium der Kunst eingesetzt. Bereits in der Stiftung F.C. Gundlach vorhandene Archive in diesem Cluster sind: Renée Pötzscher und Sabine von Breunig.
Annahme weiterer Archive
In diesen Clustern würde die Stiftung F.C. Gundlach gern weitere Archive annehmen, wenn der Platz es erlaubt. Sie wird in Zukunft außerdem herausragende Einzelwerke in kleinerer Stückzahl annehmen, die für die in der Satzung ebenso festgeschriebene Fortsetzung der Sammlung F.C. Gundlach passen.
Das Archiv der Fotografen
Gemeinsam mit der Deutschen Fotothek hat die Stiftung F.C. Gundlach darüber hinaus das "Archiv der Fotografen" konzipiert, welches im September 2012 seine Tätigkeit aufgenommen hat und als Ansprechpartner, analoges Archiv und digitales Schaufenster Verantwortung für unser kulturelles Erbe in Form fotografischer Werke und Nachlässe übernimmt. Die Stiftung F.C. Gundlach ist somit auch immer wieder Ansprechpartner für Fotografinnen und Fotografen, die ihre Archive dann nach Dresden geben. Die Kooperation mit der Deutschen Fotothek ist für die Stiftung F.C. Gundlach aber auch deshalb so wertvoll, weil gemeinsam mit der Deutschen Fotothek immer wieder Ausstellungen und Buchpublikationen aus den Archiven realisiert werden können.
Das fotografische Erbe (in) der Medienstadt Hamburg
Die Stiftung F.C. Gundlach wird ihren Einsatz für die Fotografie als Kulturgut effektiv fortführen, auch im Rahmen der Aktivitäten des Deutschen Fotorats. Wünschenswert wäre eine noch sicherere Finanzierung, die der Stiftung größere Depotflächen, etwas mehr Personal und einen kleinen Showroom erlauben würde – vielleicht in der Hamburger Speicherstadt, langfristig und kostenfrei? Grundsätzlich hält die Stiftung es geradezu für notwendig, dass ein Ort entsteht, der sich um das reichhaltige fotografische Erbe der Medienstadt Hamburg kümmert. Perspektivisch könnte das der lokale Hamburger Beitrag zu einem dezentralen Deutschen Fotoinstitut sein.