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Anlässlich des 90. Geburtstags von Walter Schels zeigen die Stiftung F.C. Gundlach und C/O Berlin die erste große Retrospektive des Fotografen in Berlin. Mit mehr als 300 Arbeiten eröffnet sie neue Einblicke in ein Werk, das sich über fast sieben Jahrzehnte erstreckt. Wir laden Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung am 19. Juni um 20 Uhr ein im Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin. Es sprechen Stephan Erfurt, Vorstandsvorsitzender der C/O Berlin Foundation, sowie die Kurator*innen Sophia Greiff (C/O Berlin), Sebastian Lux und Franziska Mecklenburg (beide Stiftung F.C. Gundlach). Die Ausstellung läuft vom 20. Juni bis zum 2. September.
Die Ausstellung führt zentrale Werkgruppen zusammen und richtet den Fokus auf eine bislang unbekannte Seite dieses OEuvres: das umfangreiche experimentelle Werk und transformatorische Ansätze, die Schels’ fotografische Praxis prägen – eine Entdeckung, die den Blick auf den Fotografen verändert. Die Auswahl der Werke basiert auf der Sichtung mehrerer Tausend Prints aus dem Archiv des Fotografen, das perspektivisch von der Stiftung F.C. Gundlach bewahrt und zugänglich gemacht wird.
Seit den späten 1960er-Jahren bewegt sich Schels zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie. Bekannt wurde er vor allem durch seine Schwarzweiß-Porträts, deren charakteristisch reduzierte, stark verdichtende Bildsprache er seit den 1980er-Jahren entwickelte. In Langzeitstudien und Porträtserien wie Blind, Noch mal leben oder trans* widmet er sich Grundfragen menschlicher Existenz, beschäftigt sich mit Präsenz und Wahrnehmung, mit Identität und existenziellen Übergängen. Schels richtet den Blick auf den unverstellten Ausdruck – von den Gesichtern Neugeborener bis zu Hundertjährigen, von bekannten Persönlichkeiten wie dem Dalai Lama bis zu unbekannten Menschen sowie von Tieren bis zu Pflanzen. Vor neutralem Hintergrund entstehen unmittelbar wirkende Begegnungen mit einem jeweils eigenständigen Gegenüber.

Die Ausstellung lädt ein, diese bekannten Porträts und Serien in der Zusammenschau mit der anderen, parallel entstandenen, jedoch nie gezeigten Werkhälfte neu zu lesen. Einen frühen Ausgangspunkt für Schels‘ zweispuriges Arbeiten bilden die in den 1960er- und 1970er-Jahren in New York realisierten Serien. Neben Street Photography entstehen Nahaufnahmen von Kanaldeckeln, die das vermeintlich Funktionale in eine eigenständige Bildsprache überführen. Ansichten von Hochhäusern verdichten sich in analogen Fotomontagen, Doppelbelichtungen und Überzeichnungen zu surrealen urbanen Landschaften, die das Verhältnis von Individuum und Stadt ausloten.
Ein Bild ist für Schels nie fertig. Transformation erscheint sowohl als inhaltliches Motiv als auch als künstlerische Methode. Mit Übermalungen, Solarisationen und Collagen überschreitet er die Grenzen der Fotografie ins Malerische – bis hin zu aktuellen abstrakten Arbeiten, in denen er unmittelbar mit Fotochemikalien und Pflanzenfragmenten arbeitet und die Materialität des fotografischen Prozesses selbst zum Bildgegenstand macht. Wo immer es möglich ist, greift die Präsentation auf originale Handabzüge zurück, darunter großformatige Schwammentwicklungen und Abzüge, die Schels über die Jahre immer wieder mit unterschiedlichen Techniken überarbeitet hat.
Der Ausstellungstitel 16° Fische verweist auf Schels’ Geburtskonstellation. Zum Zeitpunkt seiner Geburt stand die Sonne im Tierkreiszeichen Fische bei 16 Grad. Für den Künstler ist dies eine poetische Selbstverortung, die sich mit Eigenschaften wie Sensibilität und Intuition verbindet und sein Interesse am Menschen und an existenziellen Fragestellungen widerspiegelt. Walter Schels versteht seine Arbeit als offenen Prozess.
Die Retrospektive Walter Schels . 16° Fische ist eine Einladung zum Weiterschauen. Kuratiert von Sophia Greiff (C/O Berlin), Beate Lakotta, Sebastian Lux und Franziska Mecklenburg (Stiftung F.C. Gundlach). Zur Ausstellung erscheint eine begleitende Publikation bei Steidl.
