Der Fotograf Andreas Herzau

Als Bildjournalist fühlte sich Andreas Herzau verpflichtet, das Gesehene für die Welt in neuer Weise sichtbar zu machen. Dabei stand er vor allem für eine freie, objektive Berichterstattung ein. Von 1990 bis 2023 hat er die Welt als aufmerksamer Beobachter fotografisch untersucht und sie als Interpret von Gegenwartsphänomenen in eigenen, ästhetisch gestalteten Fotografien thematisiert.

Andreas Herzau startete seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Schriftsetzer und durchlief anschließend Stationen als Volontär bei Konkret und als Redakteur bei der Hamburger Rundschau, bevor er Anfang der 1990er Jahre mit großem Erfolg zur Fotografie wechselte. Als politischer Mensch begnügte er sich nicht mit Aufträgen für Zeitungen und Zeitschriften. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er 1991 in Hamburg die Fotoagentur SIGNUM FOTOGRAFIE und bereiste im Rahmen dieser Zusammenarbeit unter anderem den afrikanischen Kontinent, um über die dortigen Krisen und Kriege zu berichten, die bis zum heutigen Tag die Ursachen für Flucht und Vertreibung bilden.

Seinen Fokus auf gesellschaftspolitische Missstände behielt er als freier Fotograf fortan bei und deckte auch im näheren Umfeld bestehende Ungerechtigkeiten auf. Mit seinen Fotografien war er stets dicht an den Menschen dran, den Bildgegenstand dabei oft dynamisch im Anschnitt ins Bild setzend. So fotografierte er beispielsweise die Love Parade in Berlin (1999), New York vor und nach 9/11 (2000-2002), erstellte eine subjektive Bestandsaufnahme des Lebens in Deutschland 15 Jahre nach der Wiedervereinigung (2006) oder er begleitete die Bamberger Symphoniker über mehrere Jahre auf ihren Konzertreisen (2016-2023).

Die Qualität seiner fotografischen Arbeit zeigt sich in der subjektiven und doch authentischen Charakterdarstellung ganzer Städte und Länder. Andreas Herzau vermochte es, die Stimmung einer Gesellschaft widerzuspiegeln. Für ihn war Fotografie eine Form der Recherche und Anteilnahme. "Ich bin gezwungen aufmerksam zu sein, ... mich zu öffnen ... und mir vor Augen zu führen, dass es nichts Schöneres gibt als zu fotografieren – um zu verstehen," so Andreas Herzau im Vorwort eines seiner Fotobücher. Mithilfe seiner Fotos spürte er unterschwellig lauernden Konflikten nach und wies zugleich auf deren mögliche Konsequenzen hin. Dieses Engagement wurde mit zahlreichen Preisen honoriert, zuletzt mit dem Preis für die beste politische Fotografie des Jahres 2017.

Herzau gehört zu jenen engagierten Fotografen, die die Grenzen des klassischen Fotojournalismus auf eigenständige und oft verblüffende Weise erweitert haben. Ihm geht es unter anderem um die Auseinandersetzung mit vertrauten Bildstereotypen, die er durch seine eigenen intensiven Bilder zu hinterfragen versucht. Dabei nutzt er seine Bildsprache, um essayistisch-narrative und analytisch-abstrakte Elemente zu verbinden und so intensive Bildgeschichten zu schaffen, die er vorzugsweise als Buchprojekte veröffentlicht.

"Wäre das schon alles, wäre es viel", so Peter Bialobrzeski, "Andreas Herzau hat sich neben der fotografischen Arbeit in den Diskurs eingemischt. Er hat Texte geschrieben, Vorträge gehalten, international ausgestellt. Seine große Leidenschaft jenseits des Fotografierens galt der Vermittlung. Er unterrichtete im Journalistenzentrum Haus Busch in Hagen, an der FH Bielefeld, an der Ostkreuzschule, war Gastprofessor in Karlsruhe, Lehrbeauftragter an der Burg in Halle und über viele Semester als Lehrbeauftragter in Bremen."

Andreas Herzau war Mitbegründer und Vorstandsmitglied der laif Genossenschaft der Fotograf:innen und hier maßgeblich beteiligt an der Ausrichtung auf die "Wahrung und Förderung eines unabhängigen Fotojournalismus, hochqualitativer Fotografie und der Pressevielfalt – einem Grundpfeiler der Demokratie". Er war reibende Kraft hinter der Gründung der laif Foundation, auch dies mit dem Ziel, unabhängigen Fotojournalismus zu stärken.

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