Der Fotograf Michael Lange

Als Autodidakt fotografierte Michael Lange über drei Jahrzehnte für Magazine wie Stern / Spiegel / Geo / Art / Manager Magazin. Seit Mitte der 1990er Jahre verlagerte sich sein Interesse hin zu persönlichen Projekten, seit 2009 lag sein Fokus gänzlich auf freien Werkserien. In dieser Zweiteilung in freie Fotografie und Auftragsarbeiten ähnelt das Lebenswerk von Michael Lange weiteren Archiven, die durch die Stiftung F.C. Gundlach bewahrt werden – von den Fotografen der Gruppe fotoform der frühen 1950er Jahre bis zu Langes Weggefährten Dirk Reinartz.

"Meine Bilder erzählen von der Sehnsucht nach Stille und Befriedung, nach Tiefe und Schönheit sowie dem Verlangen, sich selbst zu verlieren." (Michael Lange, 2015)

Michael Lange gelingt der Durchbruch beim Stern in Hamburg 1981 mit einer Farbreportage über Handwerksgesellen auf der Walz. Im Folgenden fotografiert er Reisereportagen, covert Wissenschaftsthemen, fotografiert beispielsweise auch für die Deutsche Bahn und bei BMW. Bemerkenswert sind unzählige Künstlerporträts für Art. Für das Manager Magazin erschafft er einen ganz neuen Typus des Berufsporträts: den schamlos gewinnorientierten Unternehmer, Vorstand oder Manager als Sinnbild des entgrenzten Neoliberalismus. Nach Mitbegründung der Agentur Fox-Reportagen wird er Mitglied bei der Fotografenagentur Visum. Bei Michael Lange entsteht zunehmend das Gefühl, den beruflichen Höhepunkt bereits erreicht zu haben, zugleich setzt Ende der 1990er Jahre die grundlegende Umstrukturierung der Zeitschriftenlandschaft durch die fortschreitende Digitalisierung ein. Durch die Finanzkrise bleiben schließlich auch die gutbezahlten Jobs für Geschäftsberichte weg: Es sind diese Umbrüche, die Michael Lange den Anstoß geben, sich freien Serien zuzuwenden.

Seinen ersten Zugang zu dieser Arbeitsweise findet er über die Serie LA DRIVE-BY 2010. Der Titel bezieht sich auf die Redewendung 'drive by shooting', und damit auf das schnelle, spontane Fotoschießen aus dem Autofenster heraus, gleichzeitig aber auch auf die tatsächlich bedrohliche Atmosphäre in den abseitigen Vierteln von Los Angeles. Es entsteht ein düsteres Porträt einer unwirtlichen Stadt. Unlösbar mit der Motivik verbunden ist die Ästhetik des Filmmaterials, dem schwarz-weißen Sofortbildfilm Polapan und dessen unkonventioneller Entwicklung. Die Aufnahmen halten nicht alleine die vorbeiziehende Welt fest, sondern auch die fühlbare Spannung zwischen Motiv und Fotograf. Die Stadtlandschaft eröffnet sich nicht als Roadmovie, sondern als Psychogramm des Fotografen: "Durch Los Angeles zu fahren war, wie in mich selbst einzutauchen, an dunklen furchterregenden Orten meiner Angst zu begegnen. Es war ein permanenter Kampf gegen die inneren Widerstände".

Dieser Ansatz erweist sich als Schlüssel für die bis 2025 fortgesetzte Reihe der Landschaftsserien. Eine gelungene Landschaftsaufnahme hat für Lange immer eine Entsprechung in einer Empfindung, und so persönlich dies zunächst scheinen mag, liegt die Relevanz seiner Aufnahmen im subjektiven Dialog des Fotografen mit seiner Umwelt. WALD, FLUSS, COLD MOUNTAIN und, bis zu seinem Tod im Januar 2025, DER TEICH spiegeln die Gemütslage unserer Gesellschaft, die sich durch die Sehnsucht nach Befriedung charakterisieren lässt.

Immer wieder findet Lange im Prozess der bildnerischen Aneignung zu neuen bildsprachlichen Mitteln: Ob im Ringen um die Farbigkeit im Moment des schwindenden oder erwachenden Lichts, in der Setzung expressiver Bildanschnitte, in zugespitzten Schwarz-Weiß-Kontrasten oder sequenzieller Arbeit. Seit 2010 hat sich Michael Lange einen Namen in der Foto- und Kunstwelt gemacht, wesentlich unterstützt durch Robert Morat und seine Galerie.

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