Eine Collage der Album

Views and Costumes of Japan

Das Fotoalbum, das wir im November zu unserem Objekt des Monats gekürt haben, wirkt zwar etwas mitgenommen, hinterlässt aber dennoch einen gravitätischen Eindruck. Den roten Ledereinband zieren prunkvolle, goldgeprägte Lettern. Schnell wird klar, dass es sich nicht um ein beliebiges touristisches Souvenir handelt. Eine kurze Recherche bestätigt diesen Eindruck: Bei Views and Costumes of Japan von Stillfried und Andersen handelt es sich um eines der wichtigsten Zeugnisse der frühen Fotografie in Japan für ein westliches Publikum. Es wurde in den 1860er-Jahren hergestellt – in einer Zeit, in der Japan begann, sich international zu öffnen, und im westlichen Bürgertum eine Welle der Begeisterung für das fernöstliche Land entstand.

Die Motive umfassen Porträts und Alltagsszenen mit farbiger Handkolorierung ebenso wie monochrome Ansichten japanischer Städte, Dörfer, Häfen und Landschaften – eine visuelle Reise durch das Japan des 19. Jahrhunderts. Ein derart aufwändig produziertes Album war ein Luxusobjekt und Statussymbol. Die Arbeit von Stillfried verband dokumentarischen Anspruch mit sorgfältiger Inszenierung: Durch sorgfältige Kolorierung, inszenierte Kulissen und eine bewusste Auswahl der Motive formte er ein Bild von Japan, das europäischen Sehgewohnheiten und Vorstellungen von „Fernost“ entsprach.

Trotz seines altersbedingten Verschleißes bewahrt das Album seine Wirkung als beeindruckendes Zeitzeugnis. Es eröffnet einen Einblick in die künstlerische, kulturelle und gesellschaftliche Wahrnehmung Japans im 19. Jahrhundert und zeigt, wie Fotografie bereits damals als Medium zwischen Dokumentation, Kunst und Inszenierung wirkte. Einem ähnlichen Exemplar hat die Zeitschrift der State Library Victoria einen großartig detailierten Artikel gewidmet.