"Andreas Herzau. Gucken." Buchpräsentation und Ausstellung im Rahmen von Leipzig liest

Die Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie lädt gemeinsam mit Nimbus. Kunst und Bücher am Samstag, den 21. März um 19 Uhr zur Vorstellung des Buches „Andreas Herzau. Gucken. Gespräche über Fotografie mit Sebastian Lux“ ein. An der Buchvorstellung nehmen neben Sebastian Lux auch Andreas Herzaus Lebensgefährtin Renate Ruhne und der Verleger Bernhard Echte teil. Aus dem Buch liest Andreas Ebbert-Scholl. Die Veranstaltung findet im Rahmen von Leipzig liest im Monopol Leipzig, Haus 5, Haferkornstr. 15 statt.
Eine Auswahl von Herzaus Werken ist dort vom 20. bis zum 23. März von 15 bis 19 Uhr ausgestellt. Die Vernissage wird am 19. März um 17 Uhr stattfinden.

In ihrer Direktheit sprechen die Aufnahmen des 2024 viel zu früh verstorbenen Fotografen Andreas Herzau eine Wahrhaftigkeit des Hinsehens aus, die das Medium Fotografie überraschend erneuert. In umfangreichen Interview-Texten gibt „Gucken“ Einblick in Herzaus Sicht auf die Welt – als Fotograf und aufmerksamer Zeitzeuge. In den Gesprächen mit Sebastian Lux blickt Herzau auf die Entwicklungen der Fotografie und des Fotojournalismus seit den 1990er-Jahren zurück, analysiert die Folgen des Medienwandels auf technischer, wirtschaftlicher und künstlerischer Ebene und berichtet vom politischen Druck, dem die optischen Medien immer stärker ausgesetzt sind – bis hin zur Gefahr von „Deep Fakes“ durch die aufkommende KI. Zugleich aber betont er die neue kreative Freiheit, die der Fotografie in einer abgelichteten Welt zugewachsen ist – man muss nur unvoreingenommen um sich gucken.

Für Andreas Herzau war Fotografie weit mehr als ein Medium zur dokumentarischen Abbildung der Welt. Sie war Ausdruck seiner Haltung, war Kommentar, war Widerwort. Sie war vor allem ein Instrument, um sichtbar zu machen, was allzu leicht übersehen wird – und um Fragen zu stellen, anstatt plakative Antworten zu geben. In seinem Werk verband sich gestalterische Präzision mit politischem Bewusstsein. Seine kritische, linke Perspektive war spürbar, aber nie dogmatisch. Auch wenn er sich ästhetische Freiräume schuf – besonders prägnant seine starken Anschnitte –, war Fotografie für ihn nie nur ein künstlerischer Akt, sondern immer auch ein politischer: eine Praxis der Aufmerksamkeit, der Teilhabe, der Verantwortung.



Immer suchte er den Bezug – zu Menschen, Situationen, gesellschaftlichen Zusammenhängen. Andreas war ein aufmerksamer Freund, ein engagierter Kollege, ein aufrechter Mensch – und ein leidenschaftlicher Teamarbeiter. Nähe, Austausch, das gemeinsame Ringen um Positionen und Werte prägten sein Leben ebenso wie seine Arbeit. Seine berufliche Biografie zeugt von Neugier, Wandel und der kontinuierlichen Erweiterung seiner Ausdrucksformen. Ob auf einer Taxifahrt quer durch Indien, auf Reisen durch das vom Bürgerkrieg gezeichnete Ruanda oder beim Streifzug durchs Hamburger Schanzenviertel: Seine Fotografie war stets auch ein Plädoyer für eine unabhängige, subjektive und kritische Presse in einer offenen Gesellschaft.

„Ich bin gezwungen aufmerksam zu sein, … mich zu öffnen ... und mir vor Augen zu führen, dass es nichts Schöneres gibt als zu fotografieren – um zu verstehen.“

Andreas Herzau

Die Studio-Ausstellung gibt Einblick in das vielfältige Schaffen des Hamburger Ausnahmefotografen. Zu sehen sind Ausschnitte aus sieben fotografischen Serien: New York, Calcutta-Bombay, Moskau, Flucht, Helvetica, Liberia und AM. Ergänzt werden die Arbeiten durch eine Dia-Schau mit Aufnahmen aus Ruanda, Liberia und dem Abschiebegefängnis in Hamburg, aus der Publikation „Flucht“ (1997), die in ihrer Dramatik leider nicht an Aktualität eingebüßt haben.

Ausstellung und Buchvorstellung der Stiftung F.C. Gundlach für Fotografie in Kooperation mit Nimbus. Kunst und Bücher.