Elegance and Pose. F.C. Gundlach’s Fashion Photography 1950-1970

Elegance and Pose. F.C. Gundlach’s Fashion Photography 1950-1970

Shenzhen Art Museum
27. Oktober bis 6. November 2016

F.C. Gundlach, einer der bedeutendsten deutschen Modefotografen der Nachkriegszeit, bereitete die Bühne für die sich ständig wandelnden Modetrends, definierte die Posen und Gesten der Models, wählte Requisiten und Locations aus und spiegelte so die Ideale von Schönheit und Mode vor einem sich wandelnden Hintergrund wider. Gundlachs Œuvre umfasst Mode und Stil von der Pariser Haute Couture der 1950er Jahre bis zum Prêt-à-Porter, vom Berliner Chic bis zu den farbenfrohen Designs der 1980er Jahre.

F.C. Gundlach war schon immer als Auftragsfotograf tätig. Seine Arbeit befasst sich mit ästhetischen, sozialen und kulturellen Fragen und reflektiert darüber, wie Mode durch Fotografie vermittelt werden kann. Durch seine Arbeit für weit verbreitete Zeitschriften wie Film und Frau (1952–1966) und Brigitte (1963–1986) prägte er nicht nur in Deutschland die Wahrnehmung von Mode. Umgekehrt spiegeln seine Fotografien den Zeitgeist wider – von den optimistischen Nachkriegsjahren bis zum Beginn der Postmoderne.

Die 55 Werke und 100 Titelbilder der Ausstellung Elegance and Pose. F.C. Gundlach’s Fashion Photography 1950-1970 können als Essenz seines Lebenswerks zwischen Dokumentation und Erfindung, angewandter Fotografie und künstlerischem Anspruch betrachtet werden. So präsentiert die Ausstellung einen großen Fotografen, der es verstand, sich der "verkrusteten Diskrepanz zwischen dem Sterilen und dem Nützlichen" (Th. W. Adorno) der Fotokunst zu entziehen.

F.C. Gundlach entwickelte seine spezifische Bildsprache in engem Kontakt und Austausch mit den ästhetischen Standards professioneller Fotografen in Deutschland, Frankreich und den USA, wobei er Martin Munkacsi, Erwin Blumenfeld und Irving Penn als seine Vorbilder nannte. Darüber hinaus ließ er die Veränderungen der zeitgenössischen Kunst immer wieder in seine Fotografien einfließen: Surrealismus und Film Noir in den 1950er Jahren, später Op Art und Pop Art. Seine Ästhetik zeichnet sich durch eine strenge Reduktion der fotografischen Mittel und stilistische Prägnanz aus. Paris und Berlin, New York und Beirut, die ägyptische Wüste, die Kanarischen Inseln, die alten Kulturen Südamerikas und Asiens wurden zu Schauplätzen für F.C. Gundlachs Modefotografie vor Ort – und damit für die faszinierte Leserschaft der Magazine zugänglich gemacht. Vor Ort fand er seine Inspiration für außergewöhnliche Kompositionen. Die Fotografien von F.C. Gundlach umfassen fast 50 Jahre (west-)deutsche Geschichte im Zeichen von Mode, Film und Kunst und vermischen dabei untrennbar Realitäten, Projektionen, Träume und Sehnsüchte. Seine ersten Veröffentlichungen waren Reportagen. Als er 1951 mit der Modefotografie begann, übertrug er seine Erfahrungen aus der Reportagefotografie auf dieses Gebiet.

Seine Fotografien wurden in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht, darunter Deutsche Illustrierte, Stern, Revue, Quick, Elegante Welt, Film und Frau, Annabelle, Brigitte und Twen. Allein für Film und Frau und Brigitte fotografierte F.C. Gundlach mehr als 9.000 Seiten und 300 Titelseiten. Die fotografischen Arbeiten von F.C. Gundlach werden seit 1951 (Librairie Jean Robert in St. German des Prés) vielfach ausgestellt. Die Ausstellung ModeWelten (1986) war beispielsweise in Bonn, Kassel, Hamburg, Graz, Paris, Rotterdam und vielen anderen Orten zu sehen. Seine Retrospektive F.C. Gundlach – Das fotografische Werk war im Haus der Photographie Hamburg (2008), im Martin-Gropius-Bau Berlin (2009) und im Neuen Museum Nürnberg (2011) sehr erfolgreich. Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2016 präsentierte er seine jüngsten Ausstellungen bei Contemporary Fine Arts in Berlin.

Neben seiner eigenen fotografischen Tätigkeit war F.C. Gundlach ein aktiver Förderer und Initiator in allen Bereichen der Fotografie: Er gründete die Fotoservice-Unternehmen CCD und PPS sowie eine der ersten Fotogalerien in Deutschland; er wurde Dozent an der Universität der Künste Berlin (UdK); ist ein bedeutender Sammler und Kurator von Ausstellungen wie Das Medium der Photographie ist berechtigt, Denkanstöße zu geben im Kunstverein Hamburg und Emotions & Relations in der Kunsthalle Hamburg. 2003 wurde er zum Gründungsdirektor des Hauses der Photographie Hamburg ernannt und übergab seine Sammlung unter dem Titel Das menschliche Bild in der Fotografie als Dauerleihgabe an das Museum. Dort präsentierte er zahlreiche Ausstellungen wie A Clear Vision und The Heartbeat of Fashion mit Werken aus seiner herausragenden Sammlung sowie monografische und thematische Ausstellungen wie Corpus Christi, Martin Parr und nicht zuletzt Martin Munkacsi – Think while you shoot. Im Jahr 2000 übergab F.C. Gundlach seine umfangreiche Fotosammlung und sein eigenes fotografisches Werk der Stiftung F.C. Gundlach. Die Stiftung wird die erhaltenen Archive bewahren und präsentieren.

Kurator: Sebastian Lux, geboren 1971 in Göttingen, Kunsthistoriker und Kurator. Seit 2003 Kurator and Geschäftsführer der Stiftung F.C. Gundlach. Zahlreiche Ausstellungen und Kataloge, zuletzt Peter Keetman – Gestaltete Welt, Vanity (2012), F.C. Gundlach (2011) und Martin Munkacsi (2011).

Eine Ausstellung der Stiftung F.C. Gundlach, kuratiert von Sebastian Lux, in Kooperation mit der Shenzhen International Photography Week.