Dirk Reinartz
Fotografieren, was ist
Vom 7. September bis 16. November 2025 ist die Ausstellung auf ihrer zweiten Station in der Kunsthalle Erfurt zu sehen.
Jena und Erlangen: Sie liegen nur 150 Kilometer Luftlinie auseinander. Beide sind alte Universitätsstädte. Beide werden von jeweils einem Industriegiganten beherrscht. Seit 1986 besteht die Städtepartnerschaft, anlässlich ihrer Einberufung fragt sich die Redaktion des ZEITmagazins: Wie nah sind sich die beiden Nachbarstädte über die deutsch-deutsche Grenze hinweg denn nun wirklich? Wie anders funktioniert der schlichte Alltag?
So porträtierte Reinartz Vertreter gleicher Berufe in den beiden Städten. Im Titelmotiv zu sehen: Peter Zorn, Herr über mehr als hundert Läden der „PGH Haarkosmetik“ (PGH = Produktionsgenossenschaft des Handwerks), empfängt uns in seinem Salon. In einem extavaganten Kittel im Kimonoschnitt: Erlangens Friseurobermeister Adolf Hanneberger.
Dirk Reinartz (1947–2004) gehört zu den bedeutenden Fotojournalisten und Bildautoren der späten Bundesrepublik und des wiedervereinigten Deutschlands. Ob bei seinen frühen Auftragsarbeiten – er wurde mit gerade 23 Jahren als jüngster Fotoreporter vom Stern eingestellt – oder in seinen freien Bildserien, Dirk Reinartz gelang es, durch eine präzise und pointierte Bildsprache gesellschaftspolitische Entwicklungen, kulturelle Umbrüche und konkrete Lebenssituationen von Menschen in feinsinnigen fotografischen Erzählungen festzuhalten.
Zentrales Thema in Reinartz’ Arbeiten ist die Beschäftigung mit Deutschland und den Deutschen. Zeit seines Lebens war er auf der Suche nach Motiven, in denen sich eine deutsche Identität zu erkennen gibt, mit all ihren Widersprüchen und historischen Verankerungen. Dazu gehören auch die deutsch-deutschen Beziehungen, die immer wieder Gegenstand seiner bildjournalistischen Arbeit waren, so in Beiträgen zu DDR-Umsiedlern (1984), Menschen in den Partnerstädten Jena und Erlangen (1987), Übersiedlern aus dem Westen in die DDR (1989) oder über das Zonenrandgebiet (1983). Mit der Deutschen Einheit 1990 setzte er seine vergleichende Herangehensweise fort, schaute nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten und beobachtete nun die Findungsprozesse einer gesamtdeutschen Gesellschaft.
Von Mai bis September 2024 widmete ihm das Landesmuseum Bonn eine Retrospektive. Es war der erste umfassende Blick zwanzig Jahre nach seinem frühen Tod auf sein Oeuvre. Die Erfurter Kunsthalle zeigt nun diese Ausstellung bis zum 16. November 2025.
Eine Ausstellung des LVR-Landesmuseum Bonn, der Stiftung F.C. Gundlach und der Deutschen Fotothek in Kooperation mit der Kunsthalle Erfurt.
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 11 – 18 Uhr
Donnerstag: 11 – 22 Uhr